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familiengeschichte bewahren

I - 1 - Wir sollen unsere Familiengeschichte bewahren. Aber wie geht das?


Wir sollen unsere Familiengeschichte bewahren. Aber wie geht das? Ich stelle Prinzipien und Voraussetzungen für das Erforschen von Familiengeschichte vor:  Geschichte ist in uns gegenwärtig – Sie ist eine Erfahrung in uns und hat wesentlichen Einfluss auf unsere Handlungen. Geschichte ist die Verursacherin von Triebkräften in uns. Und das gilt besonders dann, wenn wir Extreme durchleben.  […]

I - 2 - Das Individuum steht im Zentrum der Ereignisse


Das Individuum steht im Zentrum der Ereignisse –  Jedes Individuum hat seine eigene Geschichte, aber die Erinnerungen derer, die verfolgt wurden und totalitäre Regime überlebten, sind oft – und wenn überhaupt – aus der Perspektive erzählt, in welche die Menschen hineingezwungen wurden. Im Foto sehen wir den französischen Schuhmachermeister André Mazingue  in der Zwangsarbeit im […]

I - 3 - das Zeitalter der Extreme


Das Zeitalter der Extreme –  Die Rekonstruktion einer Familiengeschichte im Zeitalter der Extreme in Europa im 20. Jahrhundert stellt die Extreme in uns während wir forschen,  wieder her. Wir müssen die Extreme der Vergangenheit am Schreibtisch, an den realen Orten des Geschehens und in unseren Träumen in der Nacht durchleben. Jede Geschichte hat in der […]

I - 4 - Stumpfheit


Psychologische Stumpfheit – konstatierte der Psychiater und medizinische Gutachter der Verfolgten William G. Niederland bei den Deutschen gegenüber den Opfern, als es um deren Entschädigungen für die Haftschäden in Konzentrationslagern vor den deutschen Sozialgerichten ging. Diese Feststellung habe ich mir gemerkt. Ich spürte sofort, dass Niederland mit Stumpfheit einen zutreffenden Begriff gefunden hatte, der ein Syndrom […]

I - 5 - Freunde


Wenn wir im Verdrängungsraum forschen, brauchen wir Freunde – Es ist nur wenigen gelungen, sich von der Prägung durch die Extreme, die die Freiheit im Keim zu ersticken sucht, zu befreien, indem sie ihre Stimmen erhoben.  Unter anderen gehörten zu ihnen die Theoretikerin Hannah Arendt, sowie Künstler wie Claude Lanzmann, Psychiater wie Henry Crystal und […]

I - 6 - Der Umschlag vom Mythos ins Reale


1 – 6 Der Umschlag vom Mythos ins Reale – Die Entscheidung sich mit der eigenen Familiengeschichte zu beschäftigen ist also eine schwierige Entscheidung. Sie kann dein Leben ändern. Du kommst an einen Punkt, von dem es kein Zurück mehr gibt. Das ist der Moment, wo du die Realität begreifst, und von da an, willst […]

I - 7 Sprache und Komplizenschaft


Sprache und Komplizenschaft – Familien werden durch mythisch aufgeladene Narrative zusammengehalten. So verhindert man, dass sie durch eine Diskussion über ethische Fragen zerbrechen. Der Mörder ist zum Beispiel immer noch ein Held. Die Familie wird in einem Koordinatensystem ausserhalb einer ethischen und rechtlichen Bindung fixiert in dem die Zwangsarbeit und das Morden als Realität etabliert […]

I - 8 - die Erfahrung steckt in unseren Zellen fest -


Die Erfahrung steckt in unseren Zellen fest –  Die experimentelle Künstlerin und Filmemacherin Chantal Akerman filmte in Russland Passanten, die auf einen Bus warteten. Dabei deckte sie gleich ein doppeltes Geheimnis auf. In jeder Zelle von ihr, sagte Akerman, läge Wissen, obwohl ihre Mutter ihr nie vom Leben in Auschwitz erzählt habe. Akerman entdeckte im […]

I - 9 - Hoffnung


Hoffnung –  Der russische Dichter Ossip Mandelstam, der ein Kritiker der russischen Revolution war, von Stalin verfolgt und zur Zwangsarbeit nach Sibirien deportiert wurde, schrieb über die Dichterkollegen und Intellektuellen der Sowjetunion, die den Stalinismus als Karrieremöglichkeit oder als Traum umarmten: “Stalin muss keine Köpfe abschneiden. Sie fliegen von selbst weg wie Pusteblumen.” Nadeszda Mandelstam; […]

I - 10 - Leben im Verdrängungsraum - Täterfamilien


Leben im Verdrängungsraum – Täterfamilien  Man entwickelt als Kind im Verdrängungsraum zwar ein Gefühl dafür, dass gelogen wird, aber man bekommt dennoch keinen Zugriff zur Realität oder zu einer Wahrheit. Die Lüge kann selbst als Lüge bestehen, solange sie nicht widerlegt ist. Die gewalttätige Realität, die hinter ihr steckt, bleibt im Dunkeln. Das bezweckt sie […]

I - 11 - Leben im Verdrängungsraum bei repressierten Familien


Leben im Verdrängungsraum  bei repressierten Familien  Man kann dieses Problem der Verleugnung aber auch im umgekehrten Fall haben, wenn nämlich Vorfahren nicht Täter sondern Opfer eines repressiven Regimes wurden, und der Staat in der Kontinuität der repressiven Vergangenheit steht. Das können wir heute in der Russischen Föderation beobachten. In der negativen Kontinuität steht dann nicht […]

I - 12 - die Evidenz des Verbrechens


Die Evidenz des Verbrechens –  Wenn die Amerikaner 1945 in Deutschland die Konzentrationslager nicht fotografiert hätten, würde die Erinnerung an die damalige Realität schlecht ausfallen. Diese Fotografien gehören neben den Fotografien der Täter zu den authentischen Zeugnissen der Verbrechen. Sie sind Beweise. Sie sind wieder und wieder in Filmdokumentationen, Schulbüchern, Ausstellungen und Nachrichten gezeigt worden. […]

I - 13 - Der Kampf gegen die Holocaustleugnung


Holocaustleugnung –  Wenn J. sagte, mein Vater glaubte das nicht, bedeutete das, dass auch sie es nicht glauben musste. Die amerikanische Historikerin und Holocaustforscherin Deborah Lipstadt wurde 1995 von dem Briten David Irving, der sich als Historiker ausgab und zahllose Schriften publizierte, in denen er behauptete, dass der Holocaust nicht stattgefunden habe, und dass die […]

I -14 - Gleichschaltung in der Familie


Gleichschaltung in der Familie Ich sah die U.S. Historikerin Deborah Libstadt in Berlin bei der Vorstellung ihres Buches History on Trial und fand ihre Ausführungen über den Umgang mit psychischen Belastungen besonders interessant. Ein erfahrender Anwalt riet ihr, die Ereignisse während des Prozesses von sich abzustreifen, so wie man schmutzige Schuhe vor der Haustür auszieht, […]

I - 15 - Unsichtbares sichtbar machen


Unsichtbares sichtbar machen –  Rekonstruktion von Familiengeschichte ist eine Arbeit, die viel Selbstkontrolle verlangt. Macht man einen Fehler, ist man nicht nur selbst in der Recherche fehlgeleitet. Dieses an sich natürliche Problem beim Forschen ist ein Fallstrick für den Forscher gegenüber seinen Skeptikern. Sie lasten dir Fehler vordergründig an und sagen: deine Arbeit taugt nicht. […]

I - 16 - Schuld und Scham


Während du forschst und mehr über die Realität erfährst, steigen Gefühle der Schuld und der Scham, der Verzweiflung und der Trauer in dir auf und stürzen auf dich ein – wie eine Wasserwand, die sich auf dem Ozean vor dir aufbaut und über dir zusammenbricht. Familiengeschichte erforschen und bewahren, bedeutet auch, dass man die Arbeit […]

I - 17 - Leben in der Lüge - geprägt durch das System


Das Leben in der Lüge – geprägt durch das System –  Ich sah auf die Fotografie und sagte: „Was für ein Wahnsinn, dass die nationalsozialistische Ideologie einer „Volksgemeinschaft“ darin bestand, dass deren Fortkommen und Glück auf dem Unglück und Verderben Anderer aufgebaut war!“ Sie sagte daraufhin wie aus der Pistole geschossen: „Aus heutiger Sicht kannst […]

I - 18 - schuldig geboren


Schuldig geboren –  Wir haben in unserer liberalen Demokratie liberale Formen des sozialen Umgangs erworben und sie tief institutionell implementiert, aber im Privaten tobt immer weiter der Familienkonflikt. Wenn man Peter Sichrovski’s Buch „Schuldig geboren“, er interviewte in den 1980er Jahren Nazikinder, liest, fällt auf, wie wenig sich in Bezug auf den Ursprung des Konflikts […]

I - 19 - die Geburt der Genozid Konvention - Raphael Lemkin


Die Geburt der Genozid Konvention – Erst der Jurist und Aktivist Rafael Lemkin hat mit der Entwicklung und Durchsetzung  der Genozid Konvention in der U.N. in dieser Welt klargestellt,  dass das Vernichten von Menschengruppen unter Strafe gestellt werden muss. Und das war eine „one man operation!  Lemkin war auch der Erste, der die Qualität des […]

I - 20 - Totale Kontrolle


Totale Kontrolle –  Ein Staat kann sich gegenüber seinem Volk so verhalten, wie ein Missbraucher in der Familie. Der Typ des Coercive Controlers übernimmt vollständige Kontrolle über das Leben der Anderen. Im Januar 2026 tötete das iranische Regime über 30.000 Protestierende im Iran. Sie töteten ihre eigenen Leute und verwandelten das Land, das allen gehört, […]

I - 21 - Geschichte wiederholt sich nicht -


Geschichte wiederholt sich nicht  –  Nach 1945 verschwand das Hakenkreuz, das Symbol der Terrorherrschaft des deutschen NS Staates in Europa, aber die Geschichte der Morde und Demütigungen, die der Korruption und Kollaboration, die Geschichte der alltäglichen Hässlichkeiten gegen andere, der Gefühlskälte und des Hasses gegen Familienmitglieder und Nachbarn, die Geschichte der Bereicherung durch Plünderung und […]