I – 11 – Leben im Verdrängungsraum bei repressierten Familien
Leben im Verdrängungsraum bei repressierten Familien
Man kann dieses Problem der Verleugnung aber auch im umgekehrten Fall haben, wenn nämlich Vorfahren nicht Täter sondern Opfer eines repressiven Regimes wurden, und der Staat in der Kontinuität der repressiven Vergangenheit steht. Das können wir heute in der Russischen Föderation beobachten. In der negativen Kontinuität steht dann nicht nur die Regierung, sondern oft auch durch den Staatsrevisionismus der Geschichte die Gesellschaft im Allgemeinen selbst. Es wird keine öffentliche Sprache für die Verbrechen ermöglicht und die Familien der Opfer der staatlichen Repression schämen sich dafür, dass ihre Vorfahren im Gefängnis waren, in Kellern erschossen wurden oder in den Gulags Zwangsarbeit leisten mussten.

Die Wahrheit kennt jeder. Sie kann nicht unterdrückt werden, aber sie bleibt stumm. Sie bleibt als eine im Raum stehende versteinerte Realität. Und dafür steht das Mahnmal der „Solowetzki Stein“ in Moskau, in dem folgende Gedenkinschrift eingraviert wurde:
„Этот камень с территории Соловецкого лагеря особого назначения доставлен обществом <Мемориал> и установлен в память о миллионах жертв тоталитарного режима
30 октября 1990 года в День политзаключённого в СССР“
„Dieser Stein aus dem Gebiet des Sonderlagers Solowezki wurde von der Gesellschaft „Memorial“ bereitgestellt und zum Gedenken an die Millionen Opfer des totalitären Regimes aufgestellt.
30. Oktober 1990, am Tag der politischen Gefangenen in der UdSSR“
Im Foto rechts: Menschen in der Zwangsarbeit im Gulag in der Kolyma / Sibirien – Es wurden in der Sowjetunion geschätzt über 20 Mio Menschen in den Jahren 1929 bis 1956 zur Zwangsarbeit verurteilt.