I – 2 – Das Individuum steht im Zentrum der Ereignisse
Das Individuum steht im Zentrum der Ereignisse –
Jedes Individuum hat seine eigene Geschichte, aber die Erinnerungen derer, die verfolgt wurden und totalitäre Regime überlebten, sind oft – und wenn überhaupt – aus der Perspektive erzählt, in welche die Menschen hineingezwungen wurden. Im Foto sehen wir den französischen Schuhmachermeister André Mazingue in der Zwangsarbeit im Arbeitslager Stalag VIII a in der deutschen Stadt Görlitz.

Wenn du die Lebensgeschichte eines Menschen rekonstruierst, fängst du bei dem an, was du von dem Menschen findest, was von ihm übrig geblieben ist. Das kann zum Beispiel eine Blechkarte aus einem Zwangsarbeitslager sein. Oder du besuchst einen historischen Ort, wo dein Grossvater war, und so stellst du den globalen und individuellen Zusammenhang des Menschen, der verdinglicht und entmenschlicht wurde, wieder her. „Ich war grade in Dunkerque“ erzählte mir kürzlich erst ein Freund, „da wo André mit tausend anderen Soldaten verhaftet worden ist. J’ai passé quelques heures sur la plage historique. J’ai pleuré. Biensur, j’ai pleuré. L’homme peut être tellement dépourvu d’humanité. Jetzt habe ich beide Seiten gesehen. Dunkerque, die Verhaftung und Görlitz, die Gefangenschaft.“ Jean Paul Ledun, Enkel von André Mazingue