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Methode – 7 – Bewusst – Unbewusst

Bewusst – Unbewusst

Die heikelsten Phasen beim Rekonstruieren einer Familiengeschichte sind die, wenn man von dem gefühlslosen oder unberührten Zustand in den Zustand des Vorbewußten kommt. Man kann beispielsweise etwas wissen, aber es berührt einem nicht. Die Realität hat einem dann noch nicht erreicht. Es ist uns das, was die Nachricht sagt, nicht bewußt. Es ist uns der Genozid bekannt, aber nicht bewußt. Das Vorbewußte schmerzt noch nicht, aber es bringt bereits alles, was ich mir zurechtgebaut habe, in Unordnung.

Man liegt nachts wach und es denkt. Oder es träumt schlimme Sachen. Man gerät in eine Spannung, als öffneten sich die Poren und das Innen wird permeabel mit dem Außen. Zwischen innerer Realität und der objektiven Realität findet eine Osmose statt. Freud nennt diese Zustände der Psyche aber auch „das Wandern des Bewußtseins“

Sigmund Freud führt zum Verhältnis von Bewusstem und Unbewusstem folgendes aus:

„Es ist dem Erzeugnis des wirksamen Unbewußten keineswegs unmöglich, ins Bewußtsein einzutreten, aber zu dieser Leistung ist ein gewisser Aufwand von Anstrengung notwendig. Wenn wir es an uns selbst versuchen, erhalten wir das deutliche Gefühl einer Abwehr, die bewältigt werden muss. (…) so lernen wir, dass der unbewußte Gedanke vom Bewußtsein durch lebendige Kräfte ausgeschlossen wird, die sich seiner Aufnahme entgegenstellen, während sie anderen Gedanken, den vorbewußten, nichts in den Weg legen. (…) Das Unbewußte ist eine regelmäßige und unvermeidliche Phase in den Vorgängen, die unsere psychische Tätigkeit begründen; jeder psychische Akt beginnt als unbewußter und kann entweder so bleiben oder sich weiterentwickelnd zum Bewußtsein fortschreiten, je nachdem, ob er auf Widerstand trifft oder nicht. Die Unterscheidung zwischen vorbewußter und unbewußter Tätigkeit ist keine primäre, sondern wird erst hergestellt, nachdem die ‚Abwehr’ ins Spiel getreten ist. Erst dann gewinnt der Unterschied zwischen vorbewußten Gedanken, die im Bewußtsein erscheinen und jederzeit dahin zurückkehren  und unbewußten Gedanken, denen dies versagt bleibt, theoretischen sowie praktischen Wert. Eine grobe, aber ziemlich angemessene Analogie dieses supponierten Verhältnisses der bewußten Tätigkeit zum Unbewußten bietet das Gebiet der gewöhnlichen Fotografie. Das erste Stadium der Photografie ist das Negativ; jedes photografische Bild muss den ‚Negativprozess’ durchmachen, und einige dieser Negative, die in der Prüfung gut bestanden haben, werden zum „Positivprozess“ zugelassen, der mit dem Bilde endigt.“  Sigmund Freud; Gesamtausgabe. Band  III, Die Psychol0gie des Unbewussten; Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1982, S. 33

@foto Sigmund Freud Museum/  Sigmund Freud in seinem Arbeitszimmer in 20 Maresfield Gardens, London im Jahr 1939