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Methode – 6 – das Gefühlsgitter

das Gefühlsgitter- 

Es unterliegt der gesamten Arbeit eine Abfolge von Gefühlen und dann Erkenntnissen, die du hast, die dir ermöglichen, Fragestellungen zu erweitern oder ganz abzuhaken. Aber diese Variabilität gilt nicht für die Zeit. Uns wird nun klar: der rekonstruktierende Text ist asynchron. Und was tust du eigentlich? Du arbeitest Vorurteile und Blindheiten, die du hattest, und von denen du nicht die geringste Ahnung hattest in dir ab.

Zum Beispiel: 1960 in der Bundesrepublik Deutschland geboren: Frankreich war für uns einfach das bessere Land. Frankreich, das Land der Menschenrechte war im Jahr 1939 die große Hoffnung all jener, die vor Hitler-Deutschland flüchten mussten. Aber was passierte dann im Juli 1940, als das französische Parlament die Republik abwählte? Vichy Frankreich mit Maréchal Pétain an der Spitze und der Holocaust, die Deportation jüdischer Kinder als der Tiefpunkt Frankreichs. Mit dieser Katastrophe in Frankreich habe ich mich erst beschäftigt, als ich anfing, über meinen französischen Grossvater zu forschen. Und das war im Jahr 2012.

Beate und Serge Klarsfeld schrieben:

„Die französische Vichy – Regierung hat sich für immer entehrt, denn sie stellte als aktive Komplizin der deutschen Nationalsozialisten bei der Festnahme von Juden ihre Polizei und Verwaltung zur Verfügung, insbesondere im Jahre 1942. 43.000 Juden wurden im Jahre 1942 aus Frankreich deportiert, 17.000 im Jahre 1943 und weitere 16.000 im Jahre 1944. Insgesamt waren es 76.000 Juden, davon 11.400 Kinder im Alter unter 18 Jahren. Etwa 2000 Kinder waren jünger als sechs Jahre. Unter den Juden, die aus Frankreich deportiert wurden, stammten etwa 10.500 aus Deutschland und Österreich, darunter etwa 800 Kinder und Jugendliche.“ Beate und Serge Klarsfeld; Endstation Auschwitz. Die Deportation deutscher und österreichischer jüdischer Kinder aus Frankreich, 2008, S.11