Methode – 14 – Befragung und Selbstbefragung – Das lebensgeschichtliche Interview
Befragung und Selbstbefragung – Das lebensgeschichtliche Interview –
Das lebensgeschichtliche Interview ist mit der vitalste Kern der Forschung. Man generiert in der historischen Betrachtung und im Austausch mit dem Gesprächspartner seinen eigenen moralischen Kompass. Es ist nicht das Alter, was uns voneinander unterscheidet, es ist das Leben des Anderen, das wir erkennen und anerkennen sollen, das wir respektieren sollen. Wir hören und sehen dann auch das, was als Nichtgesagtes und Nichtsichtbares dennoch seinen Ausdruck findet. Das lebensgeschichtliche Interview ist von zentraler Bedeutung für die Entschlüsselung einer Familiengeschichte. Die erzählende Person sortiert die Familien und Ereignisse historisch und sozial präzise ein. Die Erzählung ist nicht nur Information, sie ist Wertung, Beurteilung, Kritik und Gefühl eines Familienmitglieds, das sich immer weiter als Teil der Gruppe fühlt, und ihr gegenüber verbindlich bleibt auch wenn alle schon verschwunden oder tot sind. Man bleibt immer ein Teil seiner Familie und der spezifschen lokalen Kultur, aus der man kommt und wie man sich selbst darin sieht.
Foto: N. stellte immer Fragen.