Methode – 15 – Die Rekonstruktion der Familiengeschichte anhand des beiläufigen Beisammenseins
Wir sind beiläufig zusammen. Die Geschichten kommen häufig spontan wie ein Gedankenblitz oder ein Gefühlssturm heraus. Man muss immer einen Stift und einen Notizblock bereit haben und die Satzfetzen notieren. Es kann aber auch umgekehrt sein. Es kommt garnichts. Man muss eine Methode entwickeln, die Menschen Raum gibt, zu erzählen. Man lebt mit den Menschen zusammen, arbeitet mit ihnen in der Küche oder im Garten.

Manchmal blieb ich einfach in der Küche sitzen. Ich fragte dann beiläufig etwas. Im Stehen oder im Vorbeilaufen kamen dann Halbsätze und Fetzen, die ich genauso notierte und irgendwann knüpfte ich dann wieder an diese Fetzen an. So entstand ein Gespräch und eine Ruhe im Austausch über eine schwierige Sache, wie es sich später herausstellt. Die Familie war seit Generationen deutsch und französisch. Es war nie klar, wer in ihrer Familie was gemacht hatte. Jeder in der Familie hatte eine andere Erinnerung über die Geschichte. J. war zerrissen.

Ostfrankreich / Die Stadt Rombas
Foto rechts: eine zerstörte Brücke in der Stadt Rombas. Auf der Rückseite steht mit Bleistift in sütterlin deutsch notiert: „Ein Denkmal für Frankreich“. Weiter unten ist mit Kugelschreiber in deutsch und lateinischer Schrift notiert: „20. Juni 1940“ .
Wer hat die Brücke zerstört? War es die deutsche Wehrmacht, als sie die französische Stadt Rombas besetzte, oder waren es die Franzosen bei dem Versuch, den Einmarsch der Deutschen zu verhindern. In der Familie kursieren bis heute Gerüchte.