DE | EN

Beispiele – 13 – Grenzverschiebungen im Müllerhaus – deutsche Besatzung

Grenzverschiebungen im Müllerhaus  – deutsche Besatzung durch die Wehrmacht- 

Im Jahr 1919 beendete der Versailler Vertrag formell den ersten Weltkrieg und Elsass und Lothringen wurden nach 50 Jahren deutscher Herrschaft wieder dem französischen Staatsgebiet angegliedert. Die Bürgerinnen und Bürger dieser Gebiete erhielten den französischen Pass und einstige Deutsche bezeichneten sich fortan als naturalisierte Franzosen. B., Tochter von Lisbeth und Heinrich Müller, von Beruf Telefonistin, heiratete im Jahr 1920 Charles Schneider, der wie sie in der Rombacher Hütte arbeitete, und von Beruf Buchhalter war. Charles wird Hausherr im Müllerhaus. Die ganze Familie ob französischer Kommunist oder preussischer Militarist, Gewerkschaftler oder Nationalist, sind bei dieser Hochzeit noch vereint.

Der Schwager Auguste Wurtz – hier im Foto mit B. und ihren Kindern am Müllerhaus – ist Kommunist, und unterstützt die Arbeiterstreiks in der Hütte. Er war von April 1934 bis Mai 1935 gewählter Bürgermeister von Rombas.

Foto: Schneider richtet im November 1938 das Fest der Schutzheiligen St. Barbara mit den Bergmännern und Stahlarbeitern im Müllerhaus aus.

Aber seit einer von der NSDAP erfolgreich geführten Kampfabstimmung im Jahr 1935 im benachbarten deutschen Saargebiet, – einem Kohlerevier, aus dem die Hütte den Koks bezog -, und der dann folgenden Eingliederung des seit dem Versailler Vertrag unter Völkerrechtsmandat stehenden Gebietes an Deutschland, wehte ein neuer Wind im Müllerhaus. Schneider richtete seinen Blick in das sich radikalsierende Deutschland. Er wurde ein Anhänger des deutschen Führers Adolf Hitler.

Foto rechts: am 17.Juni 1940 beflaggt Schneider das Müllerhaus mit der Hakenkreuzfahne. Zwei Tage später ist die französische Stadt Rombas von der deutschen Wehrmacht besetzt. Schneider wird als Kollaborateur mit den deutschen Besatzern seine Nachbarn und Kollegen an die Gestapo verraten.

Auguste Wurtz geht in den französischen Widerstand. Er wird Mitglied in der Widerstandsgruppe „Group Mario“ und überlebt das SS Sonderlager Queuleu in der Stadt Metz sowie das deutsche Konzentrationslager. Die deutsche Besatzung dauert von Juni 1940 bis September 1944.