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Beispiele – 19 – Sowjetische Kriegsgefangene in Frankreich

Sowjetische Kriegsgefangene in Frankreich

Frankreich, 4.November 2019: ich fahre in die Stadt Boulay Moselle und warte am alten Bahnhof, der schon lange stillgelegt ist, auf den Lokalforscher und Menschenrechtsaktivisten Becker. Er erzählt:

„Die sowjetischen Kriegsgefangenen kamen nach einer wochenlangen Fahrt aus dem Osten am Bahnhof Boulay an und mussten zu Fuss den langen Marsch ins Lager antreten, das außerhalb von Boulay in den Feldern lag. Ein Bäcker, der den Hungernden heimlich Brot zusteckte, verschwand spurlos.“

Wir drücken uns gegen die Hauswand. Es regnet an diesem Montag nachmittag wieder und die Stadt Boulay wirkt wie ausgestorben. Becker trägt Gummistiefel und Parka. Ich lasse mein Auto stehen, steige in seinen alten Twingo und fahre mit ihm über die Felder bis wir an den einstigen Maginot-Stützpunkt in le Champ du Ban-Saint Jean ankommen, den die Nazis 1941 zu einem Transitlager für sowjetische Kriegsgefangene umfunktionierten. Wir sind alleine. Keine Menschenseele weit und breit.

Während wir auf eine etwas zurückversetzte Wiese am Wäldchen schauen, erzählt mir Becker,  dass dort eine Gruppe von sowjetischen Kriegsgefangenen zwei Stunden nackt im Schnee im Kreis laufen mussten. Die SS versprach danach eine heisse Dusche. Die Dusche aber war dann eiskalt. Wieviele sowjetische Kriegsgefangene wurden in Frankreich durch die deutschen Besatzer  ermordet?

Im Foto: Ausgrabungen von Massengräbern im Jahr 1945 auf dem  dem ehemaligen Maginotstützpunkt le Champ du Ban-Saint Jean /Moselle / France Est