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Beispiele – 20 – Zur Sklavenarbeit gezwungen und vernichtet

Zur Sklavenarbeit gezwungen und vernichtet

Schaut man genauer hin, sieht man, dass die ganze Region im tiefen Westeuropa unter deutscher Besatzung übersät war von geheimen Folterlagern, SS Sondergefängnissen für die Inhaftierung von Leuten aus dem Widerstand, und Baracken für die zur Sklavenarbeit gezwungenen Menschen.

Gedenkstein für die getöteten ukrainischen Zwangsarbeiter in der französischen Stadt Boulay

Mit dem Zug und zu Fuß setzte man die Zwangsarbeiter jeden Morgen zu ihren Arbeitsstätten in Bewegung. Struthof hatte über 70 Aussenlager in Frankreich und Deutschland. Die meisten Häftlinge haben das Stammlager Struthof, das zu den schlimmsten KZs überhaupt gehörte und eine Sterblichkeitsrate von 40 % hatte,  nie gesehen. Sie wurden durch das Programm Vernichtung durch Arbeit in den Betrieben und Bergwerken in der Region überall eingesetzt und ermordet. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Deutschen, als sie aus der Region abziehen mussten, die sowjetischen Kriegsgefangenen einfach am Straßenbiegungen erschossen und liegen liessen.  Zurück in Deutschland gingen die meisten deutschen Kriegsverbrecher straflos aus und lebten unauffällig als Briefmarkensammler oder Hühnerzüchter.

Der Historiker Christian Streit, der seine Studie über das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen 1978 in Deutschland veröffentlichte, berichtet, dass rund 5,7 Mio Menschen in deutscher Kriegsgefangenschaft starben. Er schreibt:

„Das Jahr 1941 war das letzte Jahr, in dem die deutsche Führung im Rahmen der selbstgesetzten Grenzen frei entscheiden konnte. In diesem Jahr fielen die Entscheidungen, die den weiteren Verlauf des Krieges prägten – Entscheidungen, die der nationalsozialistischen Politik eine neue Qualität gaben. Alle diese Entscheidungen – die Entscheidung, die Verfügungsgewalt des Heeres im Operationsgebiet entscheidend einzuschränken, in diesem Bereich den Einsatzgruppen der SS ihr Mordhandwerk zu gestatten und damit die Position der SS bedeutend aufzuwerten; die Entscheidung, einen großen Teil der sowjetischen Gefangenen erschießen  zu lassen; die Entscheidung, im Rahmen der Partisanenbekämpfung die Juden und große Teile der sowjetischen Bevölkerung auszurotten; die Entscheidung, die Völker des östlichen Europa auf den Status von Kolonialvölkern herabzudrücken; die Strukturwandlung der Konzentrationslager von Straflagern in gigantische Produktions- und Vernichtungsstätten; und schließlich die Entscheidung, das europäische Judentum in seiner Gesamtheit auszurotten – all diese Entscheidungen standen im engsten Bezug zum ideologischen Ausrottungskrieg im Osten. „[1]

[1] Christian Streit; Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945, Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt, 1980, S. 10