Methode – 11- wie kommt man auf die Dinge, die man nicht weiss?
Haben wir keine Beweise und keine Evidenz, müssen wir lange beobachten und auch über den inneren Weg gehen, über das, was in uns gelagert ist als Erinnerung und über die Spuren, die es draußen gibt. Wir beginnen zu suchen:
Ich muss mit meiner Intuition arbeiten. Ich schreibe etwas. Ich nehme es wieder heraus. Die Sache läßt mich die Nacht über nicht los. Am nächsten Morgen suche ich den Schnipsel in meinem eigens dafür eingerichteten Ordner „Versuche“ und füge ihn wieder ein und so geht es in einem fort. Man tastet sich wie durch Nebel und arbeitet gegen Widerstände, die man nicht versteht, an. Ich schreibe, höre, notiere, archiviere. Ich füge das Material in Container, arbeite leitmotivisch, entwickle Schlagworte und entdecke auf diese Weise die sich durch die Jahrzehnte hinweg gehaltenen Begriffe, die dann, wie ich feststellen kann, eine Rolle spielen und eine Realität umkreisen, die ich noch nicht sehen kann. Eine zufällig gestellte Nachfrage im Archiv kann überraschende Ergebnisse erzielen:
im Foto: die Erkenntnis über die Verwicklung dieses jungen Franzosen in der 33. Waffen-Grenadier-Division der SS „Charlemagne“ , einem Großverband der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg, kam erst durch das Gerichtsurteil des Tribunal Militäire de Metz vom Jahr 1948 zu Tage, das ich zufällig in einem Archiv fand. In der Familie hatte niemand darüber gesprochen. Er war ein Nazi und Antisemit und später Anhänger der Front National, einer rechtsextremen französischen Partei der Nachkriegszeit, die heute den Namen Rassemblement Nationale (RN) trägt. Das Foto wurde im Jahr 1937 in Frankreich gemacht.