I – 9 – Hoffnung
Der russische Dichter Ossip Mandelstam, der ein Kritiker der russischen Revolution war, von Stalin verfolgt und zur Zwangsarbeit nach Sibirien deportiert wurde, schrieb über die Dichterkollegen und Intellektuellen der Sowjetunion, die den Stalinismus als Karrieremöglichkeit oder als Traum umarmten:
“Stalin muss keine Köpfe abschneiden. Sie fliegen von selbst weg wie Pusteblumen.”
Nadeszda Mandelstam; Hope against Hope; a memoir; London, Harvill Press 1999
Ossip und Nadeshda Mandelstam
„Für das Recht zu leben“, schrieb Nadeszda Mandelstam, „musste man der Ideologie und dem vorherrschenden Stil gebührenden Tribut zollen. Alarmiert war man nur, wenn diejenigen, die dies taten, trotzdem getötet wurden. Die Menschen waren Mandelstam gegenüber ziemlich gleichgültig. Diejenigen, die ihren Teil nicht lieferten, wurden nicht in den Überbau aufgenommen. Alles, was sie sich erhoffen konnten, war dann eine Koje in einem Arbeitslager, obwohl es in unseren Lagern, wie in den deutschen, nicht einmal Kojen gab, sondern nur nackte Bretter.“ Nadeszda Mandelstam ;https://www.youtube.com/watch?v=T5ARWfrzOQk
Im Foto rechts: Nadeshda Mandelstam (1899-1980) in den 1970er Jahren in ihrer Wohnung in Moskau
