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Beispiele – 17 – da haben die Russen ihn halt abgeschossen – Gehirnwäsche

da haben die Russen ihn halt abgeschossen  – Gehirnwäsche –

Ich betrachte eine Fotografie. In einer Waldlichtung sieht man zwei Männer in mittleren Jahren in Anzügen gekleidet. Sie rauchen. Der eine beugt sich zum anderen hin und gibt ihm Feuer. Dabei sehen wir seinen rasierten Hinterschädel. Er ist deutscher Angestellter der Totenkopf Waffen SS im Konzentrationslager Dachau.

Zwei jüngere Frauen strecken rechts und links vom Baumstamm ihre Köpfe hervor und lächeln gezwungen in die Kamera. Alle sind schwarz gekleidet. Wenn J. mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, wäre ich nicht darauf gekommen, dass dieses Foto eine trauernde Familie zeigt, deren Familienmitglied an der Ostfront starb.

Ich frage J.: Weisst du, wie er gestorben ist ? J. antwortet: „Ja Klar! Zwei Kameraden, die mit ihm gekämpft haben, haben uns später besucht und brachten uns das Tagebuch von Reinhold. Die waren vorsichtiger als Reinhold gewesen. Sie haben erzählt, dass Reinhold mit dem Kopf aus der Deckung ging, hin und her und hin und her schaute. Da haben die Russen ihn halt abgeschossen.“

Ihr Vater, so J., habe eine Traueranzeige mit den Worten „Im tiefen Schmerz und stolzer Trauer“ drucken lassen. Auf einmal schäumte J.  beim Erzählen in einem Gefühl der Wut kurz auf: „In stolzer Trauer!? So ein Idiot! Was die gemacht haben in Russland! In Reinholds Tagebuch kannst du es lesen. Die haben sich das Essen bei den russischen Familien zusammengeklaut mit vorgehaltener MG. Und sonst noch. Wie kann man denn mit so einer Schuld leben?“

Stille

„Der Reinhold war ein ganz toller Mann.“

Stille.

Zwölf Stunden später wiederum um Mitternacht unter dem Lichtkranz am Tisch der ansonsten in Dunkelheit getauchten Küche, sagte sie langsam und leise:

„Der Reinhold wollte unbedingt in die SS Leibstandarte „Adolf Hitler“, kam aber dann in die SS Standarte „Großdeutschland“. In seinem Zimmer hatte er mit der Hand im Bogen geschrieben ganz groß: „Meine Ehre heißt Treue“ und dann hatte er die SS Runen dazu gezeichnet gehabt.“

Stille.

Es ist vielleicht nur der ruhigen Nachtstunde und unserer beider Geduld und Anstrengung zu verdanken, dass J. mir das erzählte. Rombach war jetzt spürbar. Das Müllerhaus auf der Anhöhe am Guissebonne. Das Zimmer des Bruders neben dem der beiden Schwestern. Das Hineinschielen des kleinen Mädchens in das Zimmer ihres großen von ihr so geliebten Bruder im zweiten Stock des Bergmannshauses. Stille im Haus. Es war still in der Küche nach Mitternacht. J. kehrte in dieser Nacht nachhause zu ihrem Bruder zurück.

der Franzose Renauld  – Germanisiert und einer Gehirnwäsche durch den Vater unterzogen und in die Totenkopf SS eingetreten / 22. Juni 1941 Entsendung an die Ostfront und in Charkiv im Juli 1943 unter umklaren Umständen mit 21 Jahren umgekommen. (Suizid nicht ausgenommen)

Foto rechts: der Name Reinhold war die germanisierte Form von seinem französischen Namen Renauld. Renauld liebte seine kleinen Schwestern vom Grunde seines Herzens und so liebten sie ihn.