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Methode -13 – Das zähe Ringen um die Gestalt

Das zähe Ringen um die Gestalt – 

Die Aufarbeitung und Darstellung von Geschichte in den Gesellschaften ist ein zähes Ringen um die Gestalt der Darstellung. Der israelische Historiker Saul Friedländer beobachtete folgendes über die Fragestellung des objektiven beziehungsweise subjektiven Standpunktes in der Debatte der deutschen Historiker in den 1980er Jahren:

„Historiker sind kritisch gegenüber jüdischen Historikern, die während der Schoah gelebt haben. Im Historikerstreit sagten sie: aber wie können sie objektiv sein, wo sie doch Opfer sind. Ich habe dem deutschen Historiker Martin Broszat, der herausragende Sachen über den NS verfasst hat, geschrieben. Broszat war jemand, der die Tatsache, dass er in der Hitlerjugend war, immer für sich behalten hatte. Aber er war dann auch im letzten Jahr Mitglied der Partei. Nun gut, er war ein junger Mann. Aber man spürte das bei ihm, besonders  in den 80er Jahren, in der Zeit also, als in Deutschland während der Periode Kohl Nationalgefühle dort anstiegen und auch als die deutsche Einheit kam. Das ist dann auch genau die Zeit des Historikerstreits, eine Debatte zwischen deutschen Historikern über die Singularität der Shoah. Sie wollten sagen, dass die Opfer in einer gewissen Weise nicht in der Lage seien ihre eigene Geschichte zu schreiben. (lacht)  Sie würden nicht sehen, dass  … ich sagte … …. …. ….. ich habe ihm in meinem Brief darauf folgendes geantwortet: Glauben Sie nicht,  Martin Broszat, bezüglich Ihrer Aussage, dass wir, die Opfer, wir, die Juden …äh … dass wir unfähig seien zu sehen, also die Dinge in einem objektiven Kontext wahrzunehmen, weil wir zu sehr mit der Vergangenheit belastet seien. Wir sind ganz und gar .. äh … äh… subjektiv in dem, was wir wahrnehmen und in dem, was wir schreiben. Und glauben Sie nicht, dass jemand wie Sie, der in der Hitlerjugend war, nicht auch seine Subjektivit zu verhandeln hat?“

Entretien avec Saul Friedländer; historien; Jusqu’au dernier: https://www.youtube.com/watch?v=OKbcYKYYMXc

Für seine epische Erzählung der Geschichte der Shoah, der Verfolgung und der Vernichtung der Juden in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Europa , erhielt Saul Friedländer im Jahr 2007 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.