DE | EN

Beispiele – 14 – Zeitgeist und Milieu in der Stahlarbeiterstadt Rombas

Zeitgeist und Milieu in der Stahlarbeiterstadt Rombas – 

Geboren 1960 in der Bundesrepublik Deutschland denke ich in Kategorien, die totalitäre Systeme im 20. Jahrhundert hervorgebracht hatten. Wenn ich Familiendynamiken beobachte, frage ich mich, welcher Hintergrund die Leute zu was gebracht hat. Dann aber stellt man schnell fest, dass man es mit historischen Zeiträumen zu tun hat, die viel weiter zurückliegen. Und man merkt: es geht um Mentalitäten, Zeitgeist, Gesellschaften im Wandel jenseits oder mit der Grossmachtspolitik, in welcher diese Region wie keine andere damals in Westeuropa stand. Europas Schicksal wurde in Frankreich entschieden.

@J.J. Sitek –  Rombas im Mai/Juni 1936 – Arbeiterstreik am Tor 2 Moulin neuf Rombas

Rund 6000 Arbeiter waren in den 30er Jahren alleine in der Rombacher Hütte beschäftigt. Immer den Tod vor Augen, schätzten die Arbeiter das einfache gute Leben. Man passte aufeinander auf. Das galt für die Bergmänner in den Stollen, für die Stahlarbeiter an den Hochöfen, und das galt für die Eisenbahner diesseits und jenseits des Rheines.

Die Rombacher Hüttenwerke / l’Usine Rombas- 1888 von Carl Später gegründet – zur Eisenerzgewinnung und Verarbeitung. Das Roheisen, das Gusseisen und  der Stahl von den Hütten Lothringens wurde über Zug- und Schiffsfracht in die ganze Welt exportiert.

„En gros les ouvriers d’usine étaient fier de leur travail et malgré la pénibilité du travail ils n’auraient pas échangé leur place. C’était une autre époque. Il y avait la fierté d’appartenir à une corporation.“  berichtet mir Jean Larché, der ehemalige Stahlarbeiter im Jahr 2019. In den 1990er Jahren wurde die Stahlproduktion im gesamten Gebiet eingestellt.