Methode – 9 – keine Chronologie
Keine Chronologie – Geschichte und Geschichten werden von Historikerinnen in der Regel chronologisch dargestellt, in uns aber liegen sie unsortiert und undatiert. Sie sind immer gegenwärtig. Geschichte ist eine egalitäre innere zeitlose Realität in uns über unzählige Generationen hinweg. Sitzt man am Schreibtisch und denkt sich in historische Prozesse und menschliche Erfahrungen ein, findet alles zugleich statt.
An der Zettelwand sieht das so aus: man befindet sich gedanklich also im Jahr 1935 im östlichen Frankreich fünf Jahre vor der Besatzung durch die deutsche Wehrmacht und wird zugleich Zeuge der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.Januar im Jahr 2019 über die live Schaltung des öffentlichen Fernsehens.

Im Foto links Rekruten bei Verdun im Jahr 1915 und rechts der Brand von Notre Dame in Paris vom 16. April 2019.
Man versteht in solchen Momenten der Vertiefung der Geschichte in uns, dass dies im Grunde der natürliche Zustand ist, nämlich die Gleichzeitigkeit der Ereignisse und damit die absolute Nähe zu den historischen Ereignissen in uns durch ein Gefühl in uns, das wir nun entdecken. Wir sind dann tief mit der Realität verbunden und verwurzelt. Sind wir uns der Geschichte aber nicht bewusst, liegen wir flach auf und sind jeder Erschütterung, egal welche Dimension sie hat, ausgeliefert. Wir reagieren, aber uns fehlt die historische Dimension, die uns Abstand gibt um die Lage angemessen und vernünftig zu kontrollieren