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Beispiele – 32 – untergegangene Kindheit

Untergegangene Kindheit 

Im beginnenden Winter des Jahres 2012 reiste ich zu J. aufs Land, um einige Tage bei ihr zu verbringen. Ich wollte sie über ihre Kindheit in Frankreich während der 1930 und 40er Jahre befragen. Sie quartierte mich in dem seit langem unbewohnten Dachgeschoß ein. Sie bekam nur noch wenig Besuch. Es fiel Schnee in der Nacht. Es war kalt. Heizen durfte ich nicht. Sie sagte mir, sie schlafe auch kalt und das mache nichts.  Sie war böse mit mir, aber ich wußte nicht warum. Sie hat mich für meine Nachforschungen in der Familie regelrecht gehasst. Aber sie war es, die mir die Gefängnisbriefe des Rombachers Schneider in einen billigen roten Ringordner auf den Tisch warf und andere Briefe aber verschwinden ließ. Sie gab immer Doppelbotschaften von sich.

Blick vom Müllerhaus

Wenn ich in ihrer Küche saß und ihr zuhörte, tauchten wie bei anbrechender Dämmerung in der Südsee die abgestumpfen Gipfel der Archipel, ihre Kindheitserinnerungen schemenhaft, erratisch und isoliert auf. Aber vor ihnen lagen die schönen Mythen wie Tintenwolken als Rest der Nacht.  Untergegangene Kindheit, sagenumwobendes Vineta.

Im Bergmannsgarten

J. hatte in sich Gefühle und Erinnerungen präzise gespeichert. Das spürte ich ganz genau, und doch gab sie diese mir so gut wie nie preis. Reissverschlussmund.