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Beispiele – 26 – Die dunkle Wolke

Die dunkle Wolke – 

Der 1946 in Frankreich verurteilte französische Kriegsverbrecher Charles Schneider darf im Gefängnis unter der Massgabe der Zensur und einer Vorschrift der Anzahl der Briefe sowie mit der Genehmigung der Gefängnisleitung Briefe an festgelegte Personen schreiben und empfangen. Es liegen 160 Briefe von 1945 bis 1955 vor, die Schneider an sein Kind schrieb. Das arme Kind schreibt ihm zurück. Es versorgt ihn mit Seife, Unterwäsche, Geld und Briefmarken, Orangen und Kuchen. Zu Weihnachten gibt es für Schneider Christstollen. Die immer wieder geäußerte Auffassung von Schneider, dass ihm Unrecht geschehen war, hat das alte Kind bis zum Ende seines Lebens nachgeplappert. Ich setze mich in Berlin an meinen Schreibtisch und beginne damit die Briefe zu transkribieren. Ein überwältigendes Gefühl des Ausgeliefertsein, der Verzweiflung und des Entsetzens steigt wie eine dunkle Wolke unter meinem Stuhl hervor und hüllt mich an meinem Schreibtisch ein, dringt in meine Berliner Realität ein, die ich doch jahrzehntelang so sicher vor den Familienproblemen wähnte. Es griff sich etwas Raum in mir. Es verschmolz etwas mit mir. Worum ging es hier?

19 11.1946 Cour de Justice de Metz:“Le Nazi Nr, 1 de la Vallee de l’Orne – la terreur de Rombas – Schneider est condamné aux travaux forcés à pèrpétuit“. Quelle: ASCOMEMO http://ascomemo.chez.com/